BMW K1100RS

Im August 2006 befiel mich der "K-Virus" mit außerordentlicher Heftigkeit, kein Mittel half und ich begab mich mal wieder auf die Suche. Nach einigem Stöbern im Internet war die Auswahl dann auf drei Maschinen eingegrenzt. Die Erste hatte kein ABS, damit schied sie für mich aus. Ich wollte kein (für mich) neues Motorrad ohne ABS kaufen. Die Zweite gefiel mir dann so gut, dass ich mit dem Verkäufer schnell einig wurde und sich die Besichtigung der Dritten erübrigte.
Sie stand im Ausstellungsraum eines BMW-Motorradhändlers in Stemwede/Dielingen. Marrakesch-Rot, Heizgriffe, Warnblinkanlage, G-Kat, ABS-II, Zusatzinstrumente, Systemkoffer, gerade mal 39000 km auf dem Tacho. Abgesehen von einigen kleinen Kratzern und Steinschlagschäden im Lack in tadellosem Zustand. Der erste Eindruck war ausgesprochen positiv.
Schnell wurde ein rotes Kennzeichen montiert um eine Probefahrt zu machen. Jetzt stellte sich heraus, dass die Batterie defekt war, sie wurde umgehend erneuert.

Abholung vom Händler Fertig zur Probefahrt

Nach der Probefahrt zeigten sich dann noch einige kleine Mängel:  Der Kettenkastendeckel schwitzte ein wenig Öl aus und die Floater an der linken Bremsscheibe zeigten unzulässiges Spiel in Längsrichtung. Ansonsten schien die K in einwandfreiem Zustand.
Der Chef des Hauses versprach die genannten Mängel zu beseitigen. Die Floater sollten rechts und links erneuert und der Kettenkastendeckel neu abgedichtet werden. Weiterhin wurde noch ein Ölwechsel mit Filter durchgeführt, die Zündkerzen erneuert, die Drosselklappen synchronisiert, CO-Gehalt und Leerlaufdrehzahl eingestellt, sowie HU und AUK durchgeführt. Anfang September war es dann soweit, ich hatte die K1100 zwischenzeitlich angemeldet und mit dem neuen Kennzeichen im Gepäck fuhren wir dann am 3. September los, um das Schätzchen abzuholen.

Abholung beim Händler Abholung beim Händler

Frisch gewaschen und poliert stand das Motorrad zur Abholung bereit. Das neue Kennzeichen war schnell montiert, der Händler wünschte mir viel Spaß mit der K und wir traten den Weg in Richtung Heimat an. Leider begann es gleich nach der Abfahrt zu regnen und der frische Glanz war dahin.
Bereits nach ca. 30 km wurde die Freude über das neue Motorrad arg getrübt. Der Motor bekam erst Aussetzer in sich verkürzenden Abständen, bis er kurz darauf ganz abstarb. Mein erster Verdacht war Sprit-Mangel, aber ein Blick in den Tank zeigte mir, dass es daran nicht liegen kann. Nach einigen Minuten des Wartens sprang der Motor dann doch wieder an. Dieses unschöne Spiel wiederholte sich auf der Fahrt nach Hause leider noch einige Male.
Am nächsten Tag machte ich dann erneut eine Probefahrt. Anfangs lief die K wie das sprichwörtliche Uhrwerk, aber nach ca. 30 km traten die gleichen Symptome wie am Vortag auf. Ich quälte mich mit dem Mopped noch nach Hause und rief dann beim Verkäufer an.

Auf Grund der Symptome vermutete ich einen temperaturabhängigen Fehler und hatte entweder den Hallgeber oder den Fühler für die Kühlmitteltemperatur in Verdacht, nach Erwärmung fehlerhaft zu arbeiten. Diesen Verdacht teilte der Verkäufer mit mir.
Einen Tag später wurde die K dann zwecks Überprüfung und Reparatur abgeholt. Zum Ende der Woche kam der Anruf: "Der Temperaturfühler war der Übeltäter, aber der Hallgeber sei prophylaktisch auch erneuert worden. Leider sei bei der ausgiebigen Probefahrt aber noch ein "kleines Missgeschick" passiert. Mir schwante Schlimmes. "Ein Nagel fand den Weg in den Hinterreifen." Na, das war ja doch nicht so tragisch. Unglücklicherweise waren allerdings Michelin-Reifen des Typs "89 X" montiert, die seit 2004 nicht mehr produziert werden. So mussten also Vorder- und Hinterreifen erneuert werden. Geplant war der Reifenwechsel ohnehin, da der Hinterreifen bereits sieben Jahre "auf dem Buckel" hatte. So ging der der Hinterreifen samt Montage "aufs Haus" und nur der Vorderreifen musste von mir bezahlt werden. Ich war also über das "kleine Missgeschick" gar nicht unglücklich.

Ich vereinbarte mit dem BMW-Motorradhaus, dass ich die K selbst abhole. So konnte ich, bei diesmal herrlichem Sonnenschein, die 130 km nach Hause als ausgiebige Testfahrt nutzen.
Die Fahrt endete ohne Zwischenfälle und wir kamen ohne Probleme zu Hause an. Zwischenzeitlich habe ich mit der "Roten", wie sie inzwischen heißt, die ersten Touren durch den Harz, das Weserbergland, das Leine-, Aller-, und Exter-Tal gemacht. Hierbei sind bisher knapp 1200 km zusammengekommen, auf denen die K überzeugen konnte. Ich denke auch diese K wird sich jetzt als bekannt Zuverlässig erweisen.
Die 1100er zeigt jedenfalls, das die Ingenieure bei BMW in den 10 Jahren vom Serienstart der K-Reihe bis zum Erscheinen der K1100 nicht "wild drauflos konstruiert haben" sondern Bewährtes kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert haben. Deutlich spürt man dies insbesondere bei Fahrwerk und Bremsen.
Die inzwischen von BMW verbaute Marzocchi-Gabel macht sich ebenso positiv bemerkbar wie die Paralever-Schwinge zum Hinterrad. Die Gabel verwindet sich nicht mehr beim scharfen Bremsen, insbesondere bei Bergabfahrten,  wie es bei der alten K100 schon mal vorkommen konnte. Der Paralever sorgt dafür, dass Lastwechselreaktionen kaum noch spürbar sind und der an einigen Punkten verstärkte Rahmen trägt dazu bei, dass das Motorrad in jeder Situation absolut beherrschbar und stabil ist. Die seit der K1004-Ventil-Baureihe verwendeten 4-Kolben-Bremsen von Brembo in Verbindung mit dem ABS-II sind vom Allerfeinsten und bringen die Fuhre jederzeit sicher zum stehen.

Die K auf der Weserfähre bei Polle Die K auf der Fähre bei Polle

Inzwischen neigt sich die Saison 2006 dem Ende zu und ich habe mit der "Roten" knapp über 2500 km zurückgelegt. Irgendwelche Fehler oder Mängel sind keine mehr aufgetreten, und ich erwarte auch nichts dergleichen. Inzwischen habe ich ihr einen zusätzlichen Fern-/Nebelscheinwerfer spendiert, der sich gerade im Herbst durchaus bezahlt macht und auch die leeren Kammern rechts und links im Rücklicht sind "elektrifiziert".

Während des Winters werde ich die Bremsleitungen, die ja genau so alt sind wie die "Rote" selbst, durch Stahlflex-Leitungen ersetzen. Weiterhin werden der Luft- und Benzinfilter erneuert, sowie das Getriebeöl und das Öl im Endantrieb gewechselt, da ich nicht weiß, wann diese Arbeiten das letzte Mal durchgeführt wurden.

Zu Beginn der Saison 2007 erwies sich dann der Handbremszylinder als undicht, allerdings wurde der Schaden schnell behoben und die Kosten durch die BMW-Gebrauchtfahrzeuggarantie abgedeckt.

An der Elbe... an der Elbe gegenüber Blankenese Inzwischen war die "Red Lady" (wie ich die 1100er getauft habe) im Schwarzwald, an der Nord- und Ostsee und in den Niederlanden. Sie ist jetzt das Motorrad für die längeren Strecken und Urlaubstouren mit Gepäck, während die K100 in erster Linie  für die Trips am Nachmittag und die "kurze Runde" genutzt wird.

Außer der regelmäßigen Wartung zum Jahreswechsel und dem Austausch typischer Verschleißteile waren glücklicherweise keine Reparaturen notwendig.

Nach knapp über 50.000 km Laufleistung waren die Federelemente am Ende ihrer Lebensdauer angelangt und wurden zum Jahreswechsel 2008/09 gegen Neue aus dem Hause Wilbers ausgetauscht.

Das Jahr 2009 ist vorbei, die "Red Lady" hat nur knapp 3000 km mehr auf dem Tacho. Für viel mehr als ein paar kleine Touren am Wochenende hat die Zeit leider nicht gereicht.

Es ist März 2010 und irgendwie reizt mich "etwas Neues". Ich entschließe mich die "Red Lady" zu verkaufen. Kurz vor Ostern wird die K1100 von ihrem neuen Besitzer nach Dänemark "entführt".

Ich wünsche ihm dass er mit dem Motorrad viel Spaß und Freude hat und immer eine unfallfreie Fahrt im Land zwischen Nord- und Ostsee.


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