Gardasee 2006

Nachdem wir schon zweimal mit dem Auto am Gardasee waren, beschlossen wir unseren Urlaub 2006 erneut hier zu verbringen. Diesmal allerdings mit den Motorrädern. Wir nahmen uns für die Anreise drei Tage Zeit, weil wir getreu dem Motto der "Weg ist das Ziel" die Landschaft genießen und Autobahnen meiden wollten. Am ersten Tag fuhren wir von Langenhagen aus nach Süden über Göttingen, Bad Hersfeld, Würzburg, Ansbach bis Donauwörth, wo wir das erste mal übernachteten.

Bereits nach knapp 200 km fing meine "Dicke" an zu mucken. Kurz vor Bebra lief sie plötzlich nur noch auf drei Zylindern. Eine kurze Prüfung zeigte, dass das Zündkabel zum dritten Zylinder kurz hinter dem Kerzenstecker gebrochen war. Dummerweise befand sich die Bruchstelle an einer sehr ungünstigen Stelle. Nach dem Abschneiden des beschädigten Teils war das Kabel leider zu kurz, auch ein Tausch mit einem der anderen Kabel war nicht möglich. So "humpelte" die "Dicke" dann dreizylindrig bis zu einer großen Tankstelle am Ortseingang von Bebra. Hier wurden meine Hoffnungen nach einem neuen Zündkabel schnell zunichte gemacht: "So was haben wir nicht". (Wieso entwickeln sich die Tankstellen eigentlich immer mehr zu Wochenend-und-Nachts-Aufhab-Supermärkten, die mit der Aufgabe dem Motor-Touristen weiterzuhelfen nicht mehr viel zu tun haben?)  Jetzt blieb nur noch der Anruf beim ADAC. Nach einer knappen dreiviertel Stunde kam dann der "gelbe Engel" und brachte mir die erhofften 20 cm Kabel. Jetzt stand der Weiterfahrt nichts mehr im Wege.

Pause - die "Dicke" läuft nur noch auf drei Zylindern

Nachdem nun alle vier Zylinder wieder "befeuert" wurden lief der Motor auch wieder "rund". Wir fuhren auf Nebenstraßen entlang des Meißner-Naturparks, durch die hessische und bayerische Rhön, den Naturpark Frankenhöhe und den Naturpark Altmühltal bis Donauwörth. Hier suchten wir uns nach knapp 600 km und 10 Stunden eine Unterkunft. Wir fanden ein preisgünstiges Hotel am Stadtrand, wo wir unsere Motorräder sogar in der Garage der Besitzerin unterstellen durften. Nach einem guten Abendessen fielen wir dann nach diesem schönen, aber anstrengenden Tag in die Betten.

An der Mautstation Timmelsjoch

Nach dem unschönen Erlebnis mit dem gebrochenen Zündkabel am Vortag beschloss ich vor der Weiterfahrt alle Zündkabel zu erneuern. Bei einem Kfz-Teile-Großhändler kaufte ich 2m Zündkabel und erneuerte die Kabel aller Zylinder. Während der Reparatur trafen wir noch einen freundlichen einheimischen Motorradfahrer, der uns den Tipp gab nicht über den Fernpass, sondern über das Hahntennjoch ins Inntal zu fahren. Wir fuhren weiter über Augsburg und Kaufbeuren vorbei am Forggensee nach Füssen. Hier erreichten wir dann österreichischen Boden und fuhren durch Reutte und über das Hahntennjoch (klasse Tipp von dem Motorradfahrer aus Donauwörth - keine Busse, keine LKW, keine Pkw mit Anhänger) nach Imst. Von hier ging es ein Stück am Inn entlang um dann durch das Ötztal und übers Timmelsjoch in das Pasteiertal zu fahren. In St. Martin im Pasteiertal suchten wir uns dann eine Bleibe für die Nacht. Für uns Flachländer war die oberbayerische Landschaft schon sehr beeindruckend, aber die  alpinen Regionen ließen dann echte Begeisterung aufkommen. Diese Landschaft lässt sich nicht beschreiben, diese Landschaft muss man "erfahren".

Am dritten Reisetag verließen wir nach dem Frühstück St. Martin und fuhren, wieder auf Nebenstraßen, durch Meran, über das Gampenjoch, entlang des Lago di S. Guistina, durch Tuenno, vorbei am Lago di Molveno und dem Lago di Tenno mit seinem unglaublich blaugrünen Wasser nach Riva. Weiter durch Tórbole zu unserem Urlaubsdomizil in Malcésine. Am Nachmittag checkten wir im Hotel ein, brachten unser Gepäck aufs Zimmer und machten erstmal einen Spaziergang durch den Ort.

Am nächsten Morgen beim Frühstück beschlossen wir, unseren Motorrädern am heutigen Tag keine allzu großen Strapazen zuzumuten. Wir wollten nur ein wenig am See entlangfahren und hier und da ein wenig durch die Gassen schlendern.  Wir fuhren erst mal nach Bardolino und schauten uns hier ein wenig um. Anschließend besuchten wir Lazise. Zwischenzeitlich war es aber doch schon sehr warm geworden und auch die ersten Busse mit Besuchern wurden "entladen". Wir flüchteten in die Berge. Von Garda aus fuhren wir über San Zeno und Ferrara di Monte Baldo ins Rifugio Novezzina, wo wir ein leichtes Mittagessen zu uns nahmen. Hier oben begegneten wir nur noch einigen Mountainbikern und Motorradfahrern - die Straßen gehörten uns. Wir fuhren auf schmalen Straßen weiter durch das Monte-Baldo-Massiv über Madonna della Neve, San Giacomo, Brentonico nach Mori, wo wir die alpine Bergwelt wieder verließen. Inzwischen war es Nachmittag geworden und die Temperaturen hatten wieder ein erträgliches Maß erreicht. Auch die Urlauberbusse waren inzwischen wieder auf dem Rückweg, sodass wir noch einen Abstecher nach Tórbole wagten um den Windsurfern und Kitern bei ihren Manövern zuzuschauen.

Der Hafen von Bardolino

Am späten Nachmittag fuhren wir dann zurück nach Malcésine. Und jetzt, nur wenige hundert Meter vom Hotel entfernt, passierte es: Ina machte beim Linksabbiegen einen Fahrfehler, fuhr gegen eine Steinmauer und stürzte. Glücklicherweise stand sie sofort wieder auf und fluchte, was ich schon mal als gutes Zeichen wertete. Abgesehen von einigen heftigen Abschürfungen an den Stiefeln, der Hose und der Jacke wirkte sie unversehrt. Dies konnte man von der "Suse" leider nicht behaupten. Auf den ersten Blick glaubte ich auch bei der "Suse" seien nur Kleinigkeiten beschädigt (Blinker, Hand- und Fußbremshebel). Leider stellte sich bei genauerer Betrachtung heraus, dass doch erheblich mehr zu Bruch gegangen war (Einzelheiten gibt es hier zu sehen). Nachdem wir die Motorräder zum Hotel gebracht hatten, mussten wir uns erst einmal bei einem kühlen Bier vom Schrecken erholen.

Ina hatte doch einige blaue Flecken davon getragen und die linke Hand schmerzte stark. Am nächsten Morgen nahmen wir dann Kontakt mit dem ADAC auf und schilderten unsere Lage. Man versprach uns, sich um unseren Fall zu kümmern und riet Ina´s Hand im Krankenhaus behandeln zu lassen. Wir folgten diesem Rat und es zeigte sich, dass die Daumenkapsel der linken Hand gestaucht war. Ina bekam eine Schiene und einen dicken Verband. Damit verlief unser Urlaub ab jetzt natürlich vollkommen anders als geplant.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang:


Es hat sich als klug erwiesen, trotz der großen Hitze nicht dem Beispiel vieler anderer Motorradfahrer zu folgen und die Schutzkleidung zu Hause zu lassen. Denn ohne die Motorradkleidung hätte Ina mit Sicherheit übelste Abschürfungen davongetragen, wenn nicht Schlimmeres.

Die Mitarbeiter des ADAC-Büros in Mailand meldeten sich mehrfach bei uns und fragten nach diversen Einzelheiten, um unsere Heimreise und den Rücktransport unserer Motorräder zu organisieren.

Nach dem besuch im Krankenhaus

Wir verbrachten jetzt die restlichen 5 Tage unseres Urlaubs als "Fußgänger", was zur Folge hat, dass wir jetzt jeden Stein und Strauch in Malcésine persönlich kennen. Trotz dieser nicht ganz so erfreulichen Rahmenbedingungen hat uns das besondere Flair am Gardasee erneut gefallen.

Fazit: Wir werden irgendwann wiederkommen. Dann aber wieder mit dem Auto oder zu einer anderen Jahreszeit. Die Sommer-Temperaturen südlich der Alpen sind für Motorradfahrer eine Qual (zumindest wenn man auf die Schutzkleidung nicht verzichten will).

Unser Dank geht an dieser Stelle an die Mitarbeiter des ADAC-Büros in Mailand und den netten Fahrer von der Hertz-Niederlassung in Rosenheim. Der ADAC hat den Rücktransport von uns und unseren Motorrädern mit einem Transporter perfekt organisiert. Am Abreisetag stand um 9 Uhr ein Transporter mit samt Spanngurten für den Heimtransport unserer Motorräder vor dem Hotel bereit. Am nächsten Vormittag haben wir dann die Motorräder zu Hause entladen und den Transporter bei der Verleihfirma zurückgegeben.


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