Meine SV650

Im Winterhalbjahr 2004/2005 ertappte ich mich dabei, wie ich immer häufiger darüber nachdachte, wie es wohl wäre, wenn mir einige PS mehr zur Verfügung ständen. Der Wunsch nach mehr Leistung nahm immer konkretere Formen an. Wichtig dabei war weniger eine mögliche höhere Endgeschwindigkeit, sondern mehr "Dampf" aus niedrigen Drehzahlen. So kam es, dass ich mich mit Dietmar zusammen auf die Suche nach einem neuen Motorrad machte. Die Anforderungen waren die gleichen, wie damals bei der GS500 - niedrige Sitzhöhe, geringes Gewicht, gutes Handling und auf gar keinen Fall ein Chopper. Wieder wurden Prospekte und Kataloge gewälzt und das Internet durchsucht. Nach dem Lesen einiger Fahrberichte, insbesondere auch von Frauen, wurden die Wünsche dann schon ziemlich konkret: eine Suzuki SV650 schien ideal. Im Frühjahr 2005 begaben wir uns dann auf Tour zu diversen Händlern um Sitzproben zu machen und "mal den Markt zu sondieren".

Insbesondere die Besuche bei den Händlern von Gebrauchtmotorrädern erwiesen sich als hilfreich für die Entscheidungsfindung. Hier bot sich die Möglichkeit Motorräder unterschiedlichster Bauart von verschiedenen Herstellern zu testen, was beim Vertragshändler einer bestimmten Marke nicht oder nur eingeschränkt möglich ist. Bei diesen Sitz- und Fahrproben zeigte sich, dass der "am grünen Tisch" getroffene Entschluss eine SV650 zu kaufen grundsätzlich richtig war. Ich musste mich nur noch Entscheiden, ob es die "nackte" Version sein sollte oder das "S"-Modell mit Halbschalenverkleidung. In Anbetracht der Tatsache, dass wir so gut wie nie auf der Autobahn unterwegs sind entschied ich mich für die "Nackte". Das "S"-Modell bietet zwar den besseren Windschutz, verfügt aber aufgrund der Lenkerstummel und der höher angebrachten Fußrasten über keine sehr angenehme Sitzposition. Weiterhin sagt mir die "Nackte" mit ihrem breiteren Lenker auch vom Handling mehr zu.

Sitzprobe
Probefahrt

Nachdem die Frage nach dem Modell geklärt war, galt es jetzt das richtige Angebot zu finden. Wieder wurden verschiedene Händler in der Gegend um Hannover abgeklappert und im Internet gesucht. Schon nach kurzer Zeit fand ich ein Internet-Inserat eines Händlers aus Neustadt am Rübenberge, nicht weit von Hannover. Schnell wurde ein Termin zur Probefahrt vereinbart und Dietmar und ich machten uns auf den Weg. Als ich die Halle betrat fiel "Sie" mir sofort auf: Rapsgelb leuchtete "Sie" mir aus dem Halbdunkel der Halle entgegen. Es war Liebe auf den ersten Blick! Während Dietmar sich noch mit der Technik befasste und nach irgendwelchen Beschädigungen, Rost oder sonstigen Mängeln suchte stand für mich eigentlich schon fest: Die soll es sein! Da auch eine gründliche Untersuchung keinerlei Mängel erkennen ließ stand es nach der Probefahrt endgültig fest: Dies wird meine SV650!

Nachdem Torsten, der freundliche Motorradhändler uns vorgeschlagen hat "noch eine Nacht drüber zu schlafen" war die Entscheidung am nächsten Morgen immer noch dieselbe: Ja, ich will!!! Telefonisch wurde der Übergabetermin vereinbart, das Sparkonto geplündert und am 15. März gehörte die SV650 mir. Dietmar wurde die Ehre zuteil, sie nach Hause überführen zu dürfen und auch er war vom Durchzug des Motors und vom Handling völlig begeistert. Die 71 PS im Verhältnis zu nur ca. 189 KG (vollgetankt) machen die SV650 zu einem unglaublich wendigen und agilen Motorrad. Nach der Ankunft zu Hause war eine der ersten Maßnahmen eine Tieferlegung um 5 cm, was meiner "Dackelbeinigkeit" doch sehr entgegenkommt und im Gegensatz zum Abpolstern der Sitzbank keine Komforteinbußen mit sich bringt.

minus 5 cm

Außer der Tieferlegung wurden noch einige kleine Modifikationen vorgenommen, die empfindliche Teile schützen sollen oder aber auch nur der verbesserten Optik dienen. Der Kühler wurde mit einem Schutzgitter von Metisse versehen und Sturzpads montiert - sicher ist sicher. Der Originalscheinwerfer im modischen "Plastik-Klarglas-Look" wurde durch ein Modell aus Metall mit einer altmodischen aber dafür kratzunempfindlichen Streuscheibe aus echtem Glas ersetzt und der schnöde Plastikkettenschutz nebst dem plumpen hinteren Kotflügel mussten wesentlich eleganteren Modellen aus VA-Stahl bzw. Alu weichen.

Bis zur Winterpause 2005/06 habe ich mit der SV fast 8000 km zurückgelegt. Ich bin immer noch begeistert von meiner "Kleinen". Sie hat mich sowohl auf den After-Work- und Wochenendtouren wie auch auf dem Weg nach Bayern und Österreich zuverlässig begleitet. Der Alukettenschutz hat leider die Urlaubstour nach Österreich nicht überlebt und ist einfach "zerbröselt", aber sonst waren außer einem neuen Hinterradreifen keine Teile zu erneuern. Im November fand dann die gründliche "Jahresendinspektion" statt, bei der neben dem obligatorischen Wechsel von Öl, Kühlmittel und Bremsflüssigkeit auch gleich die hintere Gummi-Bremsleitung durch eine Stahlflexleitung ersetzt wurde. Nun wartet die SV650 auf die Saison 2006, in der es uns unter Anderem auch nach Südtirol, in die Dolomiten und an den Gardasee führen wird.

Leider ist mir während des Gardasee-Urlaubs ein kleines Missgeschick passiert, was zur Folge hatte, dass unser Urlaub gänzlich anders verlief als geplant. Nachdem wir nach drei Tagen Anreise ausschließlich über Landstraßen unser Urlaubsziel Malcesine am Gardasee erreicht hatten passierte es: Am Abend des ersten Tages am Gardasee fuhr ich beim Linksabbiegen gegen eine Mauer. Ich kann im Nachhinein nicht mehr sagen, wie es dazu kam. Jedenfalls war nicht nur meine linke Hand stark lädiert, sondern auch die SV650. Nachdem ich in einem Winkel von ca. 30° gegen die Mauer gefahren bin, bin ich noch einige Meter daran entlang gerutscht bevor die SV letztendlich umfiel und auf der rechten Seite liegen blieb. Bilanz dieses Fahrfehlers - Felgenhorn umgebogen, Gabelstandrohre verbogen, Reifen beschädigt, Hand- und Fußbremshebel abgebrochen, Bremsflüssigkeitsvorratsbehälter der Handbremse beschädigt, vordere Bremsleitung gerissen, Lenkerendgewicht rechts abgebrochen, kleine Delle im Tank, Scheinwerfer zerschrammt, vorderer Kotflügel und Auspufftopf zerkratzt, Ego massiv beschädigt, Daumenkapsel geprellt, diverse blaue Flecken, Stiefel, Hose und Jacke zerschrammt. Bilder von meinem Desaster gibt es hier. Glücklicherweise haben die Crashpads ihren Zweck erfüllt und eine Beschädigung von Rahmen und Motor verhindert.
Damit verlief unser Urlaub natürlich nicht mehr wie geplant und wir bewegten uns ab jetzt nur noch zu Fuß in einem dadurch sehr eingeschränkten Radius. Mein ganz besonderer Dank geht an dieser Stelle an die Mitarbeiter des ADAC-Büros in Mailand und den netten Fahrer von der Hertz-Niederlassung in Rosenheim. Der ADAC hat den Rücktransport von uns und unseren Motorrädern mit einem Transporter perfekt organisiert. Am Abreisetag stand um 9 Uhr ein Transporter mit samt Spanngurten für den Heimtransport unserer Motorräder vor dem Hotel bereit. Der freundliche Herr von der Hertz-Niederlassung in Rosenheim half nicht nur beim Verladen der Motorräder, er chauffierte uns auch noch bis nach Rosenheim, so dass Dietmar nur noch die Strecke von Rosenheim nach Hause, wo wir den Transporter wieder abgeben konnten, fahren musste.

Knapp sechs Wochen nach Ankunft zu Hause ist meine Hand wieder soweit OK und die SV auch wieder instand gesetzt. Nicht alle Teile mussten neu gekauft werden. Einiges ließ sich reparieren und Einiges konnten wir auch gebraucht auftreiben. Da die Gabel zwecks Austausch der Standrohre ohnehin zerlegt werden musste wurden auch gleich Federn von WP montiert und das Lenkkopflager durch ein Kegelrollenlager ersetzt, was dem Fahrverhalten sehr zu gute kommt. Bilder von der "genesenen SV" gibt es hier. Nachdem jetzt der vordere Kotflügel und die Gabeltauchrohre schwarz sind, hat die "Suse" auch einen neuen Namen bekommen: "Maja", nach der Biene aus dem Zeichentrickfilm.

"Maja" im Herbst 2006

Nach meinem Unfall am Gardasee haben wir dann noch etliche Touren durch den Harz, das Weserbergland, die Lüneburger Heide, an die Nordsee und zum Kyffhäuser-Denkmal gemacht, um nur einige zu nennen. Dabei zeigte sich, dass die "Maja" den Unfall glücklicherweise gut überstanden hat. Meine linke Hand schmerzt bisweilen nach längeren Fahrten noch ein wenig, aber ich denke das gibt sich bis zum Frühjahr.

Jetzt geht die Saison 2006 dem Ende zu und "Maja" macht dann erstmal ihren Winterschlaf. Dabei wird sie dann wohl von der Saison 2007 träumen.

Während der Winterpause wurde der obligatorische Wechsel sämtlicher Öle, Filter und Flüssigkeiten durchgeführt. Weitere Arbeiten waren nicht nötig, da sämtliche Verschleißteile noch in einwandfreiem Zustand waren oder bereits gewechselt wurden. Mit dem "Ableben" der Batterie ist wohl in absehbarer Zeit zu rechnen, da es sich noch um die Erste handelt und sie somit bald ihren 7ten Geburtstag feiert.

Vom Weihnachtsmann gab´s dann noch eine hübsche Sitzbankabdeckung, die statt des hinteren Sitzpolsters montiert wird und der "Maja" einen noch attraktiveren Hintern beschert.
 

"hübscher Hintern"
Anfang April, zum Saisonbeginn 2007 hatte die "Maja" dann zwei "nette" Überraschungen vorbereitet.
Erstens:
die frisch geladene Batterie war wenige Stunden nach dem Aufladen schon wieder so schwach, dass der Anlasser sich nicht drehte und das Anlasserrelais sich in "akuter Lebensgefahr" befand. Der Versuch den Motor mittels eines Überbrückungskabels zum Leben zu erwecken scheiterte dann an der
zweiten Überraschung:
In die Hülle des Choke-Bowdenzugs war Wasser eingedrungen und der Zug war in den Wintermonaten festgerostet und ließ sich nicht mehr bewegen. Erst nach der Demontage und unter Zuhilfenahme von diversen Zangen, Schraubstock und reichlich Kriechöl war der Choke dann wieder funktionsfähig.

Die "tote" Batterie wurde erneuert und schon sprang die "Maja" auch wieder gewohnt zuverlässig an. Da es sich vermutlich noch um die erste Batterie handelte kann man nach 7 Jahren auch nicht gerade von vorzeitigem Verschleiß sprechen und ich hege Zweifel ob die neue Batterie auch so alt wird - schau´n wir mal.

Bis zum geplanten Urlaub im Schwarzwald wird wohl auch noch der Wechsel der Kettengarnitur anstehen, aber auch das ist völlig OK.

 

Fortsetzung folgt....

 


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